Aus dem Leben einer Glühbirne
Sie glauben, eine Glühbirne hängt nur starr an der Wand? – Weit
gefehlt.
In dem Körper aus Glas mit seinem drahtigen Innenleben wohnt ein Wesen,
das schon viel gesehen hat:
Menschen, die beim Aufhängen der Lampe von der Leiter fielen und sich
den Arm brachen – so hatten sie dann statt zwei linken Händen nurmehr
eine.
Andere, die in die Scherben des zerborstenen Körpers traten, der in der
benachbarten Lampe wohnte, sich eine Blutvergiftung holten und deren
Todesanzeige dann in der Zeitung stand, welche nachts von der Lampe
beleuchtet wurde.
Doch was musste die arme Glühbirne seit neuestem immer wieder entsetzt
in gerade eben dieser Zeitung lesen: Ihr Ende stehe bevor, sie soll der
Umwelt schaden, die EU-Bürokratie besiegelt ihr Schicksal, ein Verbot
droht!
Wenn das der gute alte Edison, aus dessen Geistesblitz sie entstanden
war, hören würde – er würde sich im Grabe drehen wie die Spirale
der Glühbirne.
Plötzlich – Donnergrollen – Blitzgewitter – ein heftiger Knall:
Rauch steigt aus der Lampe, dann Dunkelheit – was für ein Abgang.
Die Glühbirne ist von ihrem Schicksal erlöst – sollen sich ihre
Nachfolger um die Erleuchtung der Menschheit kümmern.